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Junge Kommunalpolitiker fordern 365-Euro-Ticket

Junge Kommunalpolitiker fordern 365-Euro-Ticket im 1-2-3-Model

ÖPNV-Tarifreform soll finanzierbar und leistungsgerecht umgesetzt werden – österreichisches Modell als Vorbild

Junge Stadt- und Kreisräte aus ganz Mittelfranken trafen sich auf Einladung des Vorsitzenden der JU-Kreistagsfraktion Erlangen-Höchstadt Maximilian Stopfer in Erlangen, um eigene Ideen und gemeinsame Strategien zur Zukunft des Verkehrsverbunds Großraum Nürnberg (VGN) zu diskutieren. Größter Diskussionspunkt dabei: Das 365-Euro-Ticket. Unter den Teilnehmenden waren auch Moritz Krug, Stadtrat in Hilpoltstein (2.v.l.) und Christoph Raithel, Stadtrat in Hilpoltstein und Kreisrat im Landkreis Roth (3.v.l.).

Zuletzt erlangte das 365-Euro-Ticket neue Dringlichkeit, nachdem es die Stadt Nürnberg spätestens 2023 für alle Nutzer einführen wird. Eine Nürnberger Insellösung passt jedoch nicht in das Tarifsystem des VGN, einzelne Verantwortliche sprachen bereits vom „Ende des VGN“. Dies wollen die jungen Christsozialen natürlich verhindern und trafen sich auch, um über mögliche Kompromisse zu sprechen. Der Nürnberger JU-Stadtrat Daniel Frank betonte: „Es ist für uns als Nürnberger natürlich wichtig, städteübergreifend und für die gesamte Region tragfähige Lösungen zu erarbeiten. Nur so können wir die Verkehrsströme der Zukunft klimaschonend lenken und den ÖPNV noch attraktiver machen.“

Gerade mit Hinblick auf die Corona-gebeutelten Finanzen von Freistaat und Kommunen wird aber zu Realismus gemahnt: „Einmal 365 Euro für jede Fahrt von Haßberge bis Treuchtlingen ist unbezahlbar, unrealistisch und auch unnötig“, so der JU-Bezirksvorsitzende und Herzogenauracher Stadt- und Kreisrat Konrad Körner. Den jungen Kommunalpolitikern schwebt deswegen ein an die Metropolregion angepasstes Wiener Modell vor:
So soll es ein großzügiges Wabensystem im VGN-Gebiet geben: Eine Wabe sei dann mit Kosten von 365 Euro im Jahr verbunden. Der durchschnittliche Pendler brauche zwei bis drei dieser Waben, um vom Wohnort zum Arbeitsplatz zu gelangen und habe dann maximal 1095 Euro im Jahr zu zahlen. Teurer werde es aber nicht, ab der dritten Stufe sei das gesamte VGN-Gebiet im Preis enthalten. „Für die meisten Strecken entspricht das einer Preissenkung von über 50 Prozent, damit wird der ÖPNV auf jeden Fall günstiger als das eigene Auto“, so Stadt- und Kreisrat Christoph Raithel. Dieser 1-2-3-Tarif (3 x 365 Euro) werde in Österreich bereits eingeführt, um das Wiener 365-Euro-Ticket auf das Umland zu erweitern. Mit einer Einführung in der Region schaffe man „die größte Preissenkung für den öffentlichen Nahverkehr aller Zeiten“, freut sich Stadtrat Moritz Krug.

Die jungen Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker betonen aber, dass es auch für Gelegenheitsfahrer, die kein Abo abschließen wollen, attraktive und vor allem einfache Möglichkeiten geben müsse, den ÖPNV zu nutzen. Hierzu solle die vom VGN schon vorgeschlagene Möglichkeit einer einfachen kilometerbezogenen Abrechnung mit Kilometerrabatt (sog. Degressionsmodell) schnell umgesetzt werden. Langfristig könne so dann digital eine kostengünstige nutzenbezogene Abrechnung starre Einzelticket- und Abomodelle auch ablösen.

„Es nützt uns nicht, wenn wir extrem günstige Preise haben, im ländlichen Raum dann aber kein Bus mehr fährt!“ (Christoph Raithel, Stadt- und Kreisrat)

Für Kreisrat Christoph Raithel steht aber auch fest, dass ein günstiges Preismodell im öffentlichen Personennahverkehr nur dann etwas bringe, wenn auch das Angebot passe. Gerade im ländlichen Raum und insbesondere im südlichen Landkreis Roth seien die Anbindung einzelner Orte und die Taktung des Angebots durchaus verbesserungswürdig. “Darüber hinaus müssen die Angebote barrierefrei, bekannt und verständlich sein” ergänzt Stadtrat Moritz Krug. Für beide stellt die Durchbindung der S-Bahn-Linie 2 über den Bahnhof Roth bis nach Hilpoltstein eine einmalige Chance für die Erschließung des südlichen Landkreises dar. “Desto weniger Umstiege notwendig sind, desto besser werde der öffentliche Nachverkehr genutzt.” Für den Ausbau der Angebote bedürfe es aber einer guten finanziellen Ausstattung, eine extreme Verringerung der Einnahme führe zur Verknappung des Angebots, befürchten Krug und Raithel, das vorgeschlagene Waben-Modell könne da einen wirtschaftlichen Kompromiss darstellen.

Bild:

Junge Stadt- und Kreisräte aus ganz Mittelfranken trafen sich auf Einladung des Vorsitzenden der JU-Kreistagsfraktion Erlangen-Höchstadt Maximilian Stopfer (2.v.r.) in Erlangen, um eigene Ideen und gemeinsame Strategien zur Zukunft des VGN zu diskutieren. Darunter auch Moritz Krug, Stadtrat in Hilpoltstein (2.v.l.) und Christoph Raithel, Stadtrat in Hilpoltstein und Kreisrat im Landkreis Roth (3.v.l.). Bild: Christian Scharfen

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Umgesetzt von Henry Lai