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Der DAV-Expedkader: ein runder Geburtstag und ein neues Team

Der DAV-Expedkader: ein runder Geburtstag und ein neues Team
27.10.2020, 10:16 Uhr
Der DAV-Expeditionskader feiert sein 20-jähriges Jubiläum. Das Aushängeschild im Förderbereich Leistungsbergsteigen des Deutschen Alpenvereins erfreut sich nach wie vor größter Beliebtheit: Letzte Woche wurde aus ursprünglich rund 30 Bewerberinnen der neue Frauenkader mit sechs Teilnehmerinnen ausgewählt. Damit geht der Expedkader in die zwölfte Runde. Neben dem Frauenkader gibt es auch einen Männerkader, der zeitversetzt läuft und nächstes Jahr auf Abschlussexpedition gehen wird.
Die Grundidee: Leistungsbergsteigen fördern
In den 1990er Jahren sank das Engagement von jungen Bergsteigern aus Deutschland – damals waren es tatsächlich überwiegend Männer – am internationalen Spitzenalpinismus. Im Deutschen Alpenverein entstand deshalb die Idee zur Ausbildung ambitionierter Allround-Alpinisten. Der erste DAV-Expeditionskader – kurz „Expedkader“ – wurde denn auch im Jahr 2000 ins Leben gerufen. Das Konzept: Talentierte, junge Nachwuchs-Alpinisten sollten drei Jahre lang mehrere Ausbildungsblöcke durchlaufen und abschließend auf eine gemeinsame Expedition gehen. „Wir wollten damit nicht nur den Anschluss an die internationale Spitze wiederherstellen,“ sagt Expedkader-Koordinator Philipp Abels. „Es ging auch darum, das klassische leistungsorientierte Bergsteigen aufzuwerten und als Alternative zum boomenden Sportklettern voranzubringen.“ Das Konzept ging auf und wurde zum Vorbild für viele ähnliche Projekte in den angrenzenden Alpenländern. So existieren mittlerweile Expeditionskader auch in Frankreich, Österreich, Italien, Slowenien und in der Schweiz. Innerhalb Deutschlands existiert zudem seit 2014 mit den DAV-Nachwuchscamps ein mittlerweile bewährter Unterbau, über welchen sich interessierte Athleten und Athletinnen auf eine spätere Aufnahme in den Expedkader vorbereiten können.

Das lernt man im Expedkader
Jeder Kader durchläuft zehn bis zwölf Lehrgänge in den Bereichen Alpinklettern, Technoklettern, Bigwall, Risskettern, Eisklettern, Hochtouren, Lawinen und Bergrettung. Den Abschluss der Ausbildung macht eine gemeinsame Expedition. Zehn solche Unternehmungen kamen in den letzten 20 Jahren zusammen, dabei gelangen zahlreiche Erstbegehungen und Erstbesteigungen in Indien, Pakistan, Marokko, China, Kirgisistan und Tadschikistan. Aber nicht nur die alpinistischen Fähigkeiten selbst sind es, die den Expedkader als Ausbildung ausmachen. Es ist auch die Berührung mit den Strukturen des professionellen Bergsports, die für die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer erstmals erfolgt. Für eine Karriere als Profibergsteigerin oder Profibergsteiger sind diese Erfahrungen wichtig. Nicht zuletzt, weil so die wertvollen Kontakte in einem Netzwerk von Sponsoren, Partnern, Verbänden und anderen Athletinnen und Athleten entstehen. Expedkader-Absolvent Benedikt Saller, der heute Bergführeranwärter ist, schaut auf seine Erfahrungen von 2016 bis 2018 so zurück: „Allein während der Tage der Sichtung, egal ob man dann im Kader aufgenommen wird oder nicht, steigt die Lernkurve extrem an. Ein anderer, nicht unwesentlicher Aspekt ist zudem, dass die neuen Kontakte mit ähnlich motivierten jungen Bergsteigern den Kreis an Tourenpartnern und den Erfahrungsaustausch erweitern.“

Das wird aus den Absolventen
„Der Expedkader ist ganz klar ein Tor zum professionellen Bergsport. Sehr viele ehemalige Mitglieder sind heute als Bergführerinnen und Bergführer innerhalb und außerhalb des Deutschen Alpenvereins aktiv,“ sagt Philipp Abels. „Und einige der Absolventen haben sich dem Spitzenalpinismus verschrieben und machen mit entsprechenden Leistungen auf sich aufmerksam.“ Ein besonders schöner Effekt sei es, dass einige ehemalige Teilnehmende ihr Wissen als Kadertrainerin oder Kadertrainer an die nächste Generation weitergeben.

Eine Schmiede für starke Alpinistinnen
Eine davon ist Dörte Pietron, die vor 17 Jahren als erste Frau einen Expedkader-Lehrgang absolvierte und lange Zeit auch die einzige Frau blieb. Deshalb wurde 2011 der Frauen-Expedkader ins Leben gerufen und Dörte Pietron übernahm sogleich die Leitung, die sie bis heute innehat. „Der Frauenkader ist sehr beliebt und hat schon einige starke Alpinistinnen hervorgebracht,“ sagt die Top-Alpinistin und liefert auch gleich eine Erklärung für den großen Erfolg. „Die gemeinsame Kaderzeit ist für mich immer ein Highlight. Das ist es als Trainerin, das war es aber auch vor 17 Jahren als Teilnehmerin.“ Tatsächlich interessieren sich seit der Einführung vor zehn Jahren immer mehr Bergsteigerinnen für den Expedkader. Dabei ist ein Nebeneffekt sichtbar geworden: Die Anzahl der Bergführerinnen in Deutschland hat sich verdoppelt. Heute sind geschätzt 90 Prozent aller deutschen Bergführerinnen Absolventinnen des DAV-Expeditionskaders.

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Umgesetzt von Henry Lai