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14.1. Musikverein Coronablasen 1

Auch in Coronazeiten gab es Blasmusik

Auch in Coronazeiten gab es Blasmusik

Eine ungeahnte Aktion führt der Musikverein Markt Allersberg in diesen ungewöhnlichen Zeiten durch. „Musik aus dem Fenster“ ist sie überschrieben, womit man einer Anregung des Nordbayerischen Musikbundes folgt.

Diana Köstler als neue Vorsitzende des Musikvereins hat die Initiative des Dachverbandes schnell aufgegriffen. Und sie an ihre Musikerkolleginnen und -kollegen weitergegeben. Denn die wöchentlichen Proben und die Ausbildungsstunden sind seit Beginn der Coronakrise abgesagt. Und auch die Nutzung der Räume des Kreismusikzentrums am Hinteren Markt im ersten Stock der ehemaligen Volksschule sind untersagt. Man wollte von Anfang an mithelfen, der Ausbreitung der Coronapandemie entgegenzuwirken. Schließlich entspricht dies auch den Ausgeheinschränkungen, die staatlicherseits verordnet wurden. „Bitte macht alle mit“, hat sich Diana Köstler, gleichzeitig auch stellvertretende Dirigentin des Musikvereins an die aktiven Musiker gewandt. Und viele taten es. Aus den verschiedensten Gründen. „Die Freitagsprobe vermisse ich sehr“, sagte beispielsweise Stefanie Wagner, eine der Musikerinnen, die sich an der Aktion jedes Mal beteiligt, „aber alleine spielen macht keinen Spaß“.

„Wir lassen uns nicht unterkriegen und möchten den Menschen mit unserer Musik ein wenig Mut machen und denjenigen, die für uns da sind in der schwere Krise, Danke sagen“. So hatte es Diana Köstler in ihrem Aufruf an die Musikanten ausgedrückt. In die Aktion des Nordbayerischen Musikbundes hat sich dann auch der Musikverlag Rundel eingebunden, von dem der Musikverein vieler seiner Noten bezieht. Noten für die einzelnen Musikinstrumente für Gema-freie Stücke hat er den Musikern zum Download zur Verfügung gestellt. Von dem Angebot hat nicht nur der Allersberger Musikverein Gebrauch gemacht.

Den vierten Sonntag haben Aktive des Musikvereins nun an Ostern bereits die „Musik aus dem Fenster“ dargeboten. Weniger aus dem geöffneten Fenster spielten sie ihre Stücke als mehr auf die Terrasse, auf den Balkon oder vor die Haustüre zogen die Musiker mit ihren Instrumenten und dem Notenständer samt Notenmaterial. Am ersten Sonntag, den 22. März hatte der Nordbayerische Musikbund noch das Stück „Ode an die Freude“ oder „Freude schöner Götterfunken“ von Ludwig van Beethoven vorgegeben. Nachdem die Resonanz auf den ersten Sonntag großartig gewesen war, wurde für den 29. März ein weiterer Aufruf gestartet. Diesmal sollte das Lied „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ nach dem Text von Dietrich Bonhoeffer gespielt werden. Und dann gab es ein zweites Stück dazu, das nämlich vom Vorsonntag sozusagen als Dreingabe. Nachdem die Musik von der Vielfalt lebe und es bei der Aktion nur darum geht, mit der Musik ein Zeichen der Solidarität und der Hoffnung zu setzen, wollte man für den Palmsonntag bewusst kein weiteres Stück vorgeben. Jeder Musiker bzw. jeder Verein sollte die Entscheidung überlassen bekommen, welches Stück an diesem Sonntag zur Aufführung gelangen sollte. So jedenfalls der Aufruf des Nordbayerischen Musikbundes. Man hatte sich darauf zusammengerufen und besprochen, so erzählt Diana Köstler, und sich schließlich auf das Lied „Die Gedanken sind frei“ geeinigt. Wieder gab es eine Dreingabe, die beiden Stücke der Vorsonntage.

Und auch am Ostersonntag gab es eine Vorgabe, die Bayernhymne, die zum Osterfest aufgeführt werden sollte. Natürlich auch diesmal mit Dreingaben, entweder von den Vorsonntagen oder auch, der Zeit gemäß, „Alle Vöglein sind schon da“, das auch gleich Umstehende zum Mitsingen einlud. Denn vielfach waren Nachbarn vor das Haus gekommen, hörten gerne zu und waren riesig erfreut über die willkommene Abwechslung, die in Zeiten dieses „Hausarrests“ gerne angenommen wurde. Sie applaudierten gerne für die Solovorträge und waren voll des Lobes. Am Ostersonntag haben wir in einer kurzen Rundfahrt durch Allersberg einige Stationen des Musikmachens in dieser Zeit besucht, um auch einen Eindruck dieses Engagements zu erhalten, obwohl viele weitere Stationen möglich gewesen wären.

In der Familie von Kreisbrandinspektor Egbert Petz spielen alle vier Kinder im Musikverein. Maximilian Petz (Tuba), Franziska Petz (Tenorhorn), Philipp Petz (Trompete) und Katharina Petz (Schlagzeug) intonierten gemeinsam die Bayernhymne und fügten dann auch noch die Ode an die Freude an. Begeistert hängte sich da die Mutter der vier Kinder, Sabine Petz, ihr Akkordeon um und stieg mit ein. Drei Aktive sind es im Hause Kirchhof in der Thannstraße. Mutter Kerstin Petz mit der Klarinette wurde eingesäumt von den beiden Söhnen Bastian (Trompete) und Luca auf dem Schlagzeug, als sie erst das Lied „Alle Vöglein sind schon da“ und dann die Bayernhymne mit begeistertem Applaus einiger Nachbarn spielten. Ihr Corona-Ständchen werden auch die Bewohner des gerade mal knapp 100 Meter entfernten Altenheims der Wolfsteiner Stiftung und das dortige Pflegepersonal dankbar mitgehört haben. Jonathan Bub (Tenorhorn) und seine Mutter Maria Bub (Es-Saxophon) griffen ebenfalls zu ihren Instrumenten wie schon auch an den vorangegangenen Sonntagen und spielten „Freude schöner Götterfunken“ sowie das Lied „Die Gedanken sind frei“. Diana Köstler hatte sich mit Stefanie Wagner zusammengetan. Um den nötigen Abstand zueinander einhalten zu können, wichen sie vom Balkon auf den sogenannten Leichenweg aus und gaben die Ode an die Freude und die Bayernhymne zum Besten. Begeistert applaudierten ihnen einige Spaziergänger, die gerade rund um den Spitalweiher unterwegs waren, der sich allerdings ohne Wasser präsentierte.

Reinhold Mücke

Dazu 4 Bilder (MVA-Coronaspeil-120420),
Fotos: Mücke

Nr. 3157: Katharina, Maximilian, Philipp, Franziska und Sabine Petz (von links) blasen sonntags auf ihrer Terrasse

Nr. 3165: Bastian, Kerstin und Luca Kirchhof (von links) machten am Ostersonntag auf dem Balkon Musik in der Coronazeit

Nr. 3170: Jonathan und Maria Bub (von links) spielen die Ode an die Freude auf der Terrasse

Nr. 3175: Diana Köstler und Stefanie Wagner hatten den Weg um den Spitalweiher für ihr Ständchen zum Musizieren gewählt

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Umgesetzt von Henry Lai